![]() |
![]() |
|

| 14. Juni 2006 - Fragen an Kurt Holenstein |
Welchen Beruf haben Sie ursprünglich erlernt? Kurt Holenstein: Mein Vater war Briefträger in Bazenheid. Eigentlich war damit mein beruflicher Weg vorgezeichnet. Ich absolvierte nach der Sekundarschule die Verkehrsschule in St.Gallen und wollte danach die Arbeit bei der Post in der Kantonshauptstadt antreten. Das war 1959. Mein Onkel, Anton Scherrer, führte damals ein aufstrebendes Transportunternehmen. Er hatte keine Nachkommen und überzeugt mich in letzter Minute, in seine Firma einzutreten. Waren Sie als junger Mann schon fasziniert von Autos, Lastwagen und Reisebussen? Holenstein: Ja, das kann man sagen. Ich war als Knabe sehr oft im Unternehmen meines Onkels anzutreffen und half mit beim Auf- und Abladen der LKW. Speziell interessierten mich die spannenden Geschichten der Chauffeure. Sie haben 1969 die Transportfirma von ihrem Onkel Anton Scherrer übernommen. Hatten Sie damals nur Lastwagen oder von Anfang an auch Reisebusse? Holenstein: Es waren insgesamt etwa 15 Fahrzeuge: Kipper und Überlandfahrzeuge. Busse waren auch dabei, aber diese waren damals noch Lastwagen, die man am Wochenende durch den Wechsel des Aufbaus umfunktionieren konnte. Wie hat sich der Mitarbeiterbestand von damals zu heute verändert? Holenstein: in den Sechzigerjahren waren es etwa 15 Chauffeure; heute beschäftigen wir in Bazenheid, Wil und Konstanz insgesamt rund 160 Mitarbeitende, unter ihnen etwa 80 Lastwagenführer. Beschäftigen Sie auch Lastwagenführerinnen? Holenstein: Zwei Frauen sind bei uns mit dem Lastwagen unterwegs. Die Arbeit im Stückguttransport ist körperlich sehr anstrengend, deshalb bewerben sich nur selten Frauen. In der Administration und in der Logistik beschäftigen wir hingegen mehrere Frauen. Wie haben sich die Arbeitszeiten im Vergleich zu früher verändert? Holenstein: Die Arbeitszeiten sind wohl ähnlich. Ein Lastwagenführer arbeitet ca. 46 Std. pro Woche. Die Arbeits- und Ruhezeiten sind gesetzlich sehr genau vorgeschrieben. Wie wurde die Arbeitszeit früher kontrolliert, wie heute? Holenstein: Grundsätzlich hat sich nicht viel geändert. Die Kontrolle erfolgt immer noch mit einer Tachoscheiben. Ab 1. Januar 2007 müssen jedoch sämtliche Neufahrzeuge mit einem digitalen Tachographen ausgerüstet sein. Das Computerzeitalter hält also auch im Lastwagen Einzug. Welche Infrastruktur braucht es heute, damit man in der Transportbranche überleben kann? Holenstein: Die Transportbranche hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert. Vor 40 Jahren sprach noch niemand von "just in time". Heute muss man den Kunden komplette Logistiklösungen anbieten. Nebst dem Transportieren übernehmen wir deshalb auch die Logistik (Lagerhaltung, Bereitstellen, Auszeichnen, Verpacken usw.) für unsere Kunden. Zudem bieten wir in unserer Filiale Konstanz sämtliche Zolldienstleistungen an. Was ist gegenüber früher einfacher geworden? Holenstein: Die Technik hat grosse Fortschritte gemacht; insbesondere für das Beladen der Lastwagen. Ich denke da in erster Linie an Paletten und Hebebühnen, aber auch an Schiebeverdecke bei den Fahrzeugen. Weitere Vorteile sind Servounterstützung bei Lenkung und Bremsen, Automatikgetriebe, Klimaanlage, Mobiltelefon und Navigationssystem. Dennoch: Verkehr, Stau und Zeitdruck haben das Leben als Transportunternehmer oder Lastwagenführer nicht unbedingt leichter gemacht. Wo liegen die Vorteile des Transports auf der Strasse, wo des Transports auf der Schiene? Holenstein: Für kurze Distanzen, und das gilt für die ganze Schweiz, ist der Lastwagen im Vorteil. Nur der LKW ist schnell und flexibel und liefert die Güter zur richtigen Zeit bis an die Haustüre. Eine funktionierende Wirtschaft ist auch weiterhin auf die Lastwagen angewiesen. Im Transport von Massengütern über längere Strecken kann hingegen die Bahn ihre Vorteile ausspielen. Doch auch im internationalen Verkehr hat die Bahn Probleme mit der Pünktlichkeit; der dichte Fahrplan der Personenzüge erschwert den Verkehr der Güterzüge. Wie hat sich das Berufsbild des Fernfahrers verändert? Holenstein: Wir legen grossen Wert auf ein einheitliches und gepflegtes Auftreten unserer Mitarbeitenden. Unsere Lastwagenführer wissen, dass die unsere Kundenberater sind und mit ihrem Auftreten das Firmenimage täglich mitgestalten. Doch trotz Stress und den vielen Vorschriften bleibt immer noch ein Stück "Trucker-Freiheit". Wir haben jetzt über den Schwerverkehr gesprochen. Welche Entwicklung hat in Ihrer Firma der Personentransport erlebt? Holenstein: Wir haben 1961 den ersten fixen Reisebus angeschafft. Mitte der siebziger Jahre besassen wir fünf Reisebusse, der Personentransport war in der Firma jedoch immer zweitrangig. Heute habe ich noch einen 50-Plätzer Bus und führe verschiedene Fahrten für meine Stammkunden durch. Im Reisegeschäft ist ansonsten mein Bruder Sepp tätig. Sie erreichten dieses Jahr das Rentenalter und sind nach wie vor Verwaltungsratspräsident der Holenstein AG. Sind Sie noch häufig im Betrieb anzutreffen? Holenstein: An Arbeit fehlt es nicht. Ich helfe noch hie und da im Transportunternehmen meiner Kinder aus, sei dies in der Disposition oder als Lastwagenführer. Zur Hauptsache bin ich jedoch mit meinem Reisebus unterwegs. Ich war zum Beispiel letzten Monat mit einer Reisegruppe in Spanien und Südfrankreich. Für welche Hobbys haben Sie nun endlich mehr Zeit? Holenstein: Zusammen mit meiner Frau wandere ich gerne und wir unternehmen häufig Radtouren in der Region. Ausserdem bin ich seit 50 Jahren Mitglied der Musikgesellschaft Bazenheid und habe immer noch viel Freude am Tuba blasen. Weitere Zeit widme ich dem Gemüsegarten und natürlich der Familie mit inzwischen zwölf Enkelkindern. Mit welchen Erschwernissen hat das Transportgewerbe heute gegenüber früher zu kämpfen?
[ Zurück ] |